Sega

Sega Master SystemDas Unternehmen veröffentlichte das überarbeitete System unter dem Namen Sega Master System. Dieser Name sollte bereits seine Überlegenheit gegenüber dem Nintendo Entertainment System ausdrücken. Sega war jedoch bewusst, dass sie auf japanischen Boden gegenüber Nintendo einen schweren Stand hatten und änderten die Strategie. Statt sich in erster Linie auf die Verkaufszahlen des Heimatlandes verlassen zu müssen, wurde die Konsole zur selben Zeit bereits weltweit ausgeliefert, um einen einheitlichen Starttermin zu erlangen. Der erste Konsolenkrieg begann, der allerdings gegenüber dem zweiten deutlich harmloser ausfiel. In den Vereinigten Staaten, die Sega zum ersten Mal mit einer Konsole belieferte, konnte das Unternehmen in den ersten vier Monaten bereits 125.000 Einheiten absetzen. Und nun erst, im November 1987 veröffentlichte Sega das Master System auch in Japan. Doch es half alles nichts. Während das Unternehmen sich zu Beginn über die verkauften Einheiten in Amerika freute, konnte Nintendo im selben Zeitraum über 2.000.000 Einheiten an den Mann bringen. Erneut war eine andere Strategie gefragt und Sega einigte sich mit Tonka, einem amerikanischen Spielzeugfabrikanten, der das Master System vermarkten und in den eigenen Geschäften verkaufen sollte. Um nicht zuviele Mittel in das Marketing stecken zu müssen, übertrug Sega dem amerikanischen Unternehmen zudem sämtliche Rechte zur Vermarktung der Konsole in den Staaten. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Unter der Führung von Tonka stagnierten die Verkaufszahlen in den nächsten drei Jahren und Nintendo war nun nicht mehr einholbar. Dies lag auch an der Lizenzpolitik für Dritthersteller des NES. Nintendo hatte strenge Lizenzklauseln vereinbart, die verhinderten, dass Softwarehäuser ihre Produkte auch auf anderen Systemen veröffentlichen durften. Lediglich Activision und Parker Brothers konnten dazu gebracht werden auch das Master System zu beliefern. Doch damit war die Dominanz nicht mehr zu brechen. Nintendo kontrollierte 83% des U.S. Marktes und hatte bis zum Ende des Jahres 1988 über 30.000.000 Geräte verkauft!

Sega war nun klar, dass Tonka der falsche Partner gewesen ist und entzog dem Unternehmen schon bald die Vermarktungsrechte. Doch nicht überall ging es dem Master System schlecht. In Europa eroberte die Konsole die Herzen der Spieler im Sturm, als sie 1987 veröffentlicht wurde. Nintendo hatte den europäischen Markt bisher ausser Acht gelassen und Sega konnte hier einen Neuanfang wagen. Dritthersteller waren hier einfacher zu finden, als in Übersee und schon nach einer kurzen Zeit produzierten über ein Dutzend Softwarehäuser für das Master System. Bis in die späten 1990er blieb das Master System das führende 8bit System des alten Kontinents. Nintendo hatte keine Mittel diesen Erfolg zu brechen. Das gleiche Bild zeichnete sich auch in Südamerika ab, wo das Master System noch bis heute in zahllosen Varianten veröffentlicht wird.

Zu dieser Zeit wurde den Verantwortlichen jedoch klar, dass sie im Bereich der 8bit System weltweit verloren hatten und das Entwicklungsteam begann an einer breiten Palette an Systemen zu arbeiten, die den Erfolg langfristig sichern sollten. Dazu wurde ein breites Konzept ersonnen, dass alle eventuellen Märkte der Zukunft abdecken sollte. Neben einem Nachfolger des Master Systems sollte darüber hinaus auch ein Handheld entwickelt werden, das dem Spieler ermöglichte auch unterwegs seiner Unterhaltung nachzukommen. Das gesamte Forschungsprojekt ging als "Planet Series" in die Geschichte ein. Jede neue Konsole erhielt seitdem als interne Projektbezeichnung stets den Namen eines Planeten unseres Sonnensystems. Stationäre Spielkonsolen erhielten dabei die Namen jener Planeten, die sich ausserhalb der Erdumlaufbahn befanden, während die tragbaren Konsolen die Namen der sonnennächsten Planeten erhielten. Da bekannterweise nur zwei Planeten (Merkur und Venus) in dieses Schema passten, waren auch nur zwei Projekte als tragbare Konsolen in der Entwicklung. Das erste, dass den Markt erreichen sollte, war das Projekt Merkur, dass 1989 aus der Taufe gehoben wurde. Bereits während der Planung war man sich darüber einig, dass Merkur die Leistungen des Game Boy von Nintendo in allen Bereichen übertreffen sollte, der zu dieser Zeit bereits veröffentlicht worden war.

Game GearStatt nun komplett von vorn beginnen zu müssen, schauten sich die Ingenieure das Master System noch einmal genau an und stellten fest, dass dieses als Grundgerüst hervorragend dazu geschaffen war, auch als tragbare Konsole genutzt zu werden. Als weiterer Vorteil war dabei zu erwähnen, dass praktisch alle Spiele des Master Systems schon zu Beginn verfügbar waren. Es war daher nicht nötig neue Spiele zu entwickeln, die zudem eine gewisse Entwicklungszeit benötigten. Als besonderes Merkmal galt das farbige LCD, dass dem Gamy Boy haushoch überlegen war. Die Bildschirmauflösung lag mit 160 x 144 Pixel zwar deutlich unter der des Master Systems, allerdings konnten 32 Farben aus einer Palette von 4096 Farben genutzt werden. Wie auch sein technischer Vater konnte Merkur auf drei Tonkanäle und einen Rauschgenerator zugreifen. Einzig die Stromversorgung war ein kritischer Punkt, hielten sechs AA Batterien nur maximal vier Stunden. Der Game Boy konnte hingegen mit vier Batterien bis zu 15 Stunden arbeiten. Als das Projekt sich seiner Vollendung näherte gab Sega nun auch den offiziellen Namen des Systems bekannt: Game Gear.

Wie auch schon Jahre zuvor hatte das System von Sega nie wirklich eine Chance gegen den Game Boy, der genügend Zeit hatte sich in der Bevölkerung zu etablieren. Der vielleicht entscheidenste Punkt war jedoch die Stromversorgung, die den Anwender immer wieder ermahnte vorausschauend Extrabatterien einzupacken. Aber auch die erhoffte Menge an Spielen kam nie über die Planungsphase hinaus. Echte Killerapplikationen, die dem System zum Durchbruch verholfen hätten fehlten. Hatte Nintendo mit Tetris ein wahres Meisterwerk mit auf den Weg gegeben, lieferte Sega beim Game Gear Columns mit, das zwar gewisse Ähnlichkeiten besaß, sich mit Tetris aber nicht messen konnte. Als Sega 1991 endlich einen Gegenspieler zu Mario hatte, war es allerdings schon zu spät. Insgesamt 11 Millionen Game Gear wurden in den sechs Jahren seines Bestehens verkauft. Nintendo kam auf insgesamt 120 Millionen Geräte, mehr als das zehnfache! Da halfen auch keine Zusätze, wie der TV Modulator mehr, das zweite internationale Produkt von Sega floppte auf ganzer Linie.

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